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Berichte & Galerie » Erlebnisberichte

Georg WerkerGeschrieben von Georg Werker aus Monschau.
Georg war nur mit auf Korsika

Schreib doch mal einen Erlebnisbericht...

Tja Leute, da hab ich mich ja auf etwas eingelassen... Jetzt sitze ich hier als der "Auserkorene" für einen Erlebnisbericht über unsere Woche in Korsika und versuche, für die, die dabei waren und auch die, die vielleicht in Zukunft dabei sein werden, die Eindrücke zu "Internet-Papier" zu bringen. Aber eigentlich geht das ja gar nicht... Doch mit der Flasche Rotwein, die ich eben aufgemacht habe, gelingt es ja vielleicht doch – zumindest flüssiger wird´s jetzt von der Tastatur gehen...

Wie kommt man dazu mitzufahren ?

Wie kommt man dazu, mit zumeist wildfremden "vermummten" Zweiradfahrern sich auf einen gemeinsamen Urlaub einzulassen ? Ganz einfach, man nehme einen motorradbessenen Freund aus dem Heimatort, Toskana aus dem Bilderbuchder sich Erich nennt und zufällig Tour-Guide beim Seylerhof-Team ist und fahre mit ihm zur Saisoneröffnung im Mai auf den Seylerhof. Nach einem wilden Wochenende dort mit wunderschönen Touren durch das Luxembourger Land und die Südeifel (und nicht ganz unwichtig: gutem Essen und Lagerfeuer am Abend) kommt man dann zurück nach Hause und denkt sich: "Wow, da warst Du nicht das letzte Mal dabei!"...

Wenn man dann im Urlaub noch nichts vorhat, schaut man auf die Home-page vom Seylerhof und stellt fest: Mensch, in drei Tagen geht`s ja schon los! Dann macht man alles per Fax noch auf die Schnelle klar und schon kriecht man zwei Tage später um 5.30 Uhr aus seinem Wohnmobil (ich war gerade umgezogen, alte Wohnung leer, neue Wohnung Chaos), um sich um 6.00 Uhr an der Autobahn mit Erich samt Anhang zu treffen und gemeinsam nach La Spezia zu fahren...

Na ja, zumindest war´s bei mir so. Alle anderen dürfen aber ruhig regelmäßiger auf die Seylerhof-Seite gucken, und sich rechtzeitig anmelden. Doch bei mir zumindest gehört das Chaos wohl irgendwie dazu...
Für die Anreise ist jeder selbst verantwortlich...

Ausgerechnet an diesem Morgen muß meine Blackbox kaputt gehen und ich lasse die anderen weiterfahren, um meine ansonsten zuverlässige Transalp in der nächstgelegenen HONDA-Werkstatt reparieren zu lassen. Schließlich ist es schon 12.00 Uhr, als ich losfahre und die Aufholjagd kann beginnen. Doch man fährt ja nicht Motorrad, um im Wohnzimmer zu sitzen...

Also werden sämtliche Kräfte in der Nähe des größten menschlichen Muskels aktiviert und ich sitze die Sache im wahrsten Sinne des Wortes während der nächsten elfeinhalb Stunden aus. Als ich schließlich um 23.30 Uhr in La Spezia ankomme, bin ich schon sehr froh, daß Erich und Uwe die Sache mit dem Fährpersonal geklärt haben und ich mit meinem Moped noch auf die Fähre fahren kann. Übrigens wohl die beste Art mit einer Fähre zu reisen: abends ankommen, drauffahren, keinen Streß mit Abfahrzeiten haben, in einer Kabine pennen und am nächsten Morgen die Überfahrt zu genießen.
Kondition ist alles oder: Neugierde ist ein wichtiger Antrieb!

geselliger Abend Aber Nein: ich bin ja neugierig und will sehen, wer alles da ist. also Handy raus, Erich anrufen und auf geht´s zur Pizzeria, wo alle anderen bereits seit Stunden sitzen und sich des italienischen "sapere di vivere" (Way of Life) erfreuen. Doch Erich´s Wegbeschreibung war nicht so toll, also rufe ich nochmal an und finde mich, während ich noch mit ihm telefoniere (er steht mit dem Rücken zu mir) in einer Horde bereits nicht mehr ganz nüchterner Biker und Bikerinnen wieder. Als ich ihm auf die Schulter klopfe, merkt er, daß er keine Werbung für D2 machen muß und wir fallen uns lachend in die Arme (männerfreundschaftlich, versteht sich!).

Tja, denke ich, die Lage mal peilen wäre nicht schlecht, aber offensichtlich wirke ich nach 18 Stunden (incl. Werkstattaufenthalt) Anfahrt auf die anderen wohl so erschöpfend, daß die doch tatsächlich aufstehen und in ihre Kojen abziehen.. Gott sei Dank hat sich im Laufe der Woche herausgestellt, daß das dann doch nicht an mir lag...

Der Tag geht schließlich morgens um vier mit Uwe, Erich und Mari (Freundin von Erich aus Schweden, die zwar immer behauptet, sie versteht kein Deutsch, aber ich bin mir nicht so sicher, denn sie lacht zu oft genau an den richtigen Stellen ...) auf dem Achterdeck bei den letzten Büchsen Bier aus Deutschland zu Ende. Jetzt kann Korsika kommen!
Der erste Tag

Eine halbe Stunde vor der Ankunft merkt mein Körper wohl, daß er nicht ewig liegen bleiben kann und ich schaffe es doch noch, zusammen mit den anderen in voller Montur mit den Mopeds aus diesem übel nach Abgasen riechenden Bauch der Fähre heraus zukommen und wir befahren endlich korsischen Boden. Bastia ist wie fast alle größeren Fährhäfen der Moloch, in dem sich alles Städtische konzentriert und ich bin froh, daß wir uns sofort auf den Weg zu unserem Quartier machen. .

Ist schon ein geiles Gefühl, in einer Gruppe von mehr als 20 mit den Mopeds so durch die Gegend zu fahren. Unter uns: in dem innerstädtischen morgendlichen Berufsverkehr kann mit meinem VW Passat ein ähnliches Gruppengefühl mit den anderen Pendlern nicht aufkommen. Woran das wohl liegt ?

Kurz nach Ponte Leccia verlassen wir dann die langweilige "Rote" und fahren auf die gelbe D 84. Nach einem Zwischenstop zwecks Stärkung und Förderung der "Linie" (zumindest bei den Salat-Essern) geht es dann in "freier Fahrt" (also ohne Gruppenzwang) weiter bis zum nächsten Treffpunkt und nach kurzer Zeit erhalte ich einen ersten Eindruck von dieser wunderschönen Insel, die Gott (oder wer auch immer) wohl nur deshalb so erschaffen hat, damit man keine geraden Straßen bauen kann!

Ich bin noch nicht richtig warm und Wolfgang aus Aachen, der eben noch vor mir war, ist plötzlich weg! Na,denke ich, so geht´s ja nun auch nicht und so allmählich kommt unsere kleine Gruppe in das richtige Tempo...

Treffpunkt ist der hoch gelegene Col der Vergio und bereits auf dem Weg dorthin merken wir, was Korsika neben seiner Landschaft so speziell macht: also so viel freilaufende Nutztiere wie Kühe, Schweine und "was-weiß-ich-nicht-noch-alles" habe ich ja noch nirgendwo auf den Straßen rumlaufen sehen. Allerdings haben diese Viecher so viel Erfahrung mit dem Straßenverkehr, daß sie – in der Regel – schön brav am Straßenrand stehen bleiben und auch dann, wenn sie von rechts kommen, nicht auf ihrer Vorfahrt beharren, sondern ausweichen. Aber wie heißt es ja so schön: der Klügere gibt nach...

Am Col der Vergio treffen wir uns alle wieder und finden uns vor dem großen steinigen Denkmal dieser berühmten Jungfrau (wenn´s denn wirklich eine war) inmitten einer Herde von Schweinen und anderen Touristen wieder. Erich hält es für eine gute Idee von Mari und einem Schwein ein Gruppenphoto zu machen. Das Schwein aber findet die Idee gar nicht so gut. Gott sei Dank ist Maris Tetanus-Impfung noch nicht abgelaufen...

Nach einer wunderschönen Abfahrt geht es dann wieder in freier Fahrt (und diesmal sind wir warmgefahren!) abwärts zum vereinbarten nächsten Treffpunkt in Sagone. Von dort aus fahren wir dann wieder in Kolonne zu unserem Quartier, das an der wunderschönen Bucht des Golfe de la Liscia liegt.

Wir beziehen im oberen Gebäude unsere mit schöner Balkonaussicht versehenen Vier-Zimmer-Appartments und die Männer machen sich Gedanken darüber, warum die vier mitreisenden Frauen sich so schnell einig waren, gemeinsam eines dieser Vier-Zimmer-Appartments zu beziehen...

Übrigens: darüber, daß Uwe ein Einzelzimmer und Erich und Mari ein Doppelzimmer beziehen, verliere ich natürlich kein Wort.

Nach ausgiebigem Duschen treffen wir uns alle im Gemeinschafts- und Essensraum der Anlage wieder, wo wir das gute Essen der Herberge und den ausgedehnten Getränkevorrat gemeinsam genießen und uns erstmals (zumindest für mich gilt das) im Gespräch etwas näher kommen. Zu fortgeschrittener Stunde stellt sich – wie immer – dann auch der harte Kern heraus und ich bin stolz, als mich Uwe mit zu unserem Wirt Jean-Thomas an die Theke nimmt, um zu dritt eine korsische Spezialität zu "zelebrieren". Ich bin noch so klar bei Verstand, daß ich mir das Etikett dieser mysteriösen Flasche zeigen lasse, aber nicht mehr genug, um mir über die Bezeichnung "95" und darüber, daß Jean Thomas und Uwe etwas anders trinken, Gedanken zu machen....

Na ja, aber schließlich bin ich nicht zum Spaß hier, lasse mir trotz rapide steigender Innentemparatur so wenig wie möglich anmerken und freue mich schon darauf, die nächsten Opfer dieser Gemeinheit in den nächsten Tagen beobachten zu dürfen. Falko, Jörg und Michael hatten während der Woche die Gelegenheit zu beweisen , daß sie keine Vorwärts-Einparker sind. Sie sind es nicht...
Der zweite Tag

Am nächsten Morgen geht´s dann erstmals auf Tour. Alle haben jeden Tag die Möglichkeit, zwischen zwei Touren, geführt von Erich oder Uwe, zu wählen. Da ich mit Uwe noch nicht gefahren bin, entscheide ich mich für ihn und die Entscheidung war auch deshalb richtig, weil wir an diesem Tag durch die Calanches de Piana gefahren sind.

Dieses schwindelerregend bis zu dreihundert Meter hoch aufragende, aus rotem Granitgestein bestehende Felslabyrinth ist eine Landschaft, die ich mein Leben nicht mehr vergessen werde. Die Schönheit der Insel manifestiert sich in diesem Fleckchen Erde und ich bin mir spätestens jetzt sicher, daß diese Insel ihren Ruf als lohnenswertes Reiseziel verdient hat.

Abends zurückgekommen zeigt sich, daß Erich als Fahrplanplaner bei der Bundesbahn die absolute Fehlbesetzung wäre. Denn erst mit Einbruch der Dunkelheit kommt seine Gruppe gerade noch rechtzeitig zum Essen zurück. So wie ich ihn kenne, hat er wieder keine interessante "Weiße", die auf der Strecke lag, ausgelassen. Da aber keiner von denen, die mit ihm gefahren sind, meckert, wird es sich wohl gelohnt haben...

Wie sich herausstellt, wird sich daran auch in der ganzen Woche nichts ändern. Wer mit Erich fährt, dem darf es nichts ausmachen, im Dunkeln zurückzukommen. Aber dafür wird man wirklich mit aufgefallenen Routen belohnt, auf die man als Individualreisender nicht im Traum kommen würde...
Der dritte Tag

Am nächsten Tag fahre ich wieder mit Uwe, denn erstens haben wir am Abend vorher gemeinsam ziemlich lange den Schlaf-Trieb besiegt (Falko und Jörg haben wieder geholfen), und zweitens soll es durch die Gorges de la Restonica gehen. Als alter Schluchtenfan bleibt mir da natürlich keine Wahl!

Leider ist die Straße durch die Schlucht gesperrt. Doch wir halten am Eingang der Schlucht an einem wunderschön gelegenen Campingplatz und lunchen dort ausgezeichneten Fisch. Wir lachen viel und lassen uns die Laune nicht verderben. So mancher Spruch dieses Tages wird in Erinnerung bleiben (Daniela weiß, was ich meine...)

Abends nach dem Essen geht es zum Strand. Die Tour-Guides geben zwei Kanister Wein. Bei einem bilderbuchhaften Sonnenuntergang kommen sich die Mitreisenden näher.
Auch die einheimischen Hunde gehen neue Freundschaften ein und ich weiß bis heute nicht, wie Daniela es geschafft hat, den Adoptiv-Antrag eines wirklich anhänglichen, weiß-braunen Mischlings, der uns bis zur Theke von Jean-Tomas gefolgt ist, dann doch noch erfolgreich abzulehnen...
Der vierte und der fünfte Tag (oder: die Zwei-Tages-Tour)

Da wir ja nicht zum Vergnügen hier sind, geht es auf zur Zwei-Tages-Tour, in der die Umrundung des erhobenen Zeigefingers von Korsika, des im Norden gelegenen Cap Corse, das Ziel ist. Da sich einige der Straßenmaschinenfahrer über den Zustand der korsischen "Weißen" beklagt haben (was ich persönlich nicht nachvollziehen kann, denn "Autobahn"fahren kann man ja zu Hause) wählen die Tourguides leider den landschaftlich weniger reizvollen Anreiseweg zu unserem Zwischenquartier bei Casta...

In Casta angekommen, entscheide ich mich für einen einsamen, aber erholsamen Nachmittag in unserem Quartier. Die anderen fahren Erich hinterher zu einem Strand in der Nähe, der aber nur über eine nicht asphaltierte, sandige Piste zu erreichen ist. Das ist aber, man glaube mir, nun weiß Gott nicht der Grund, warum ich nicht mitfahre, ich bin einfach nur müde (auch ein Hart-Ei muß mal ausruhen!)

Genüßlich beobachte ich frisch geduscht und wieder wie ein Mensch riechend vom Balkon aus die in Staub und Sand eingehüllten Heimkehrenden und es erwischt auf der abschüssigen Sandpiste zum hinteren Teil des Hotels zwei von uns. Ich glaube aber nicht, daß es an ihrem fahrerischen Können liegt, sie hatten einfach nur Pech, Sand ist eben Sand... Gott sei Dank ist nichts (und niemand) kaputt gegangen und es kann am nächsten Tag weitergehen zum Cap Corse.

Dieser korsiche Inselfinger ist nun wirklich wieder ein landschaftliches Highlight und auf der "freien" Fahrt zu unserem Treffpunkt in den malerischen Hafen von Centuri-Port gibt es so viele Stellen, wo man eigentlich halten müßte, daß man wohl erst nach Tagen ankäme, wenn man es täte. Michael, Uwe und ich gönnen uns dennoch ein paar Aussichtspunkte und pünktlich wie die Maurer treffen wir als Letzte im Hafen von Centuri-Port zum vereinbarten Zeitpunkt ein. Timing ist eben Timing, lieber Erich!

Auf der Rückfahrt übersehe ich dummerweise die uns entgegenkommenden Daniela und Tomas, die sich die Cap Corse-Tour an nur einem Tag vorgenommen haben und ,wie sich herausstellt, es auch ohne Streß, aber natürlich nur mit einigen "roten" Kilometeren geschafft haben. Ich finde das in Ordnung, denn es gilt das Prinzip, jeder so wie er es möchte. Wenn schon nicht im Alltag, dann wenigstens im Urlaub!

Das nehme ich dann auch für mich in Anspruch, als ich mich von Erich und Mari, Christian, Wolfgang, Michael, Uwe und Tilo auf der Rückfahrt trenne, weil ich noch etwas baden will. Vorher jedoch sind wir Erich auf eine der meiner persönlichen Meinung nach schönsten Strecken über die D5 gefolgt. Die D5 verläuft streckenweise auf einem Berggrat, von dem man nach beiden Seiten der Insel atemberaubende Ausblicke erhält.
Der sechste, Tour-Guide-freie, Tag

Der Donnerstag ist ein Tour-Guide-freier Tag und jeder kann sich selbst überlegen, was er machen will. Ich entschließe mich gemeinsam mit Daniela, Falko und Tomas, es mal mit einem Badetag am Süßwasser zu versuchen und wir fahren über die D3 zum See ohne Namen (anscheinend haben alle Seen auf der korsichen Karte keinen Namen). Anfangs ist die Strecke langweilig zahm, aber es steigert sich.

Falko stellt wieder einmal seine Regisseur-Qualitäten unter Beweis und unter seiner Regie gelingen ein paar sehr schöne Video-Aufnahmen von unseren "spontanen", improvisierten Hin- und Rückfahrten an seiner Kamera vorbei.
Wer Falko kennt, weiß schon jetzt, daß sich auf dem Film nicht nur Motorräder und Straßen, sondern auch andere atemberaubende Kurven wiederfinden werden... (aber ich kann dafür ziemlich viel Verständnis aufbringen..)

Auf dem Rückweg fahren wir über Bastelica und die D27 zurück auf die von mir nicht geliebte "Rote" N 193. Doch vorher landen wir auf einer Bergkuppe, wo nicht nur jede Menge Schweine wild herumlaufen, sondern auch zwei Jäger sich schwer bewaffnet aufmachen, ihren (den der Schweine, nicht den der Jäger..) Bestand zu reduzieren....

Die Abfahrt führt uns über eine total vom Steinschlag in Mitleidenschaft gezogene, ansonsten aber wunderschöne Straße und es zeigt sich, daß Tomas und Falko keine Weicheier sind und mit ihren Straßenmaschinen auch schwierige Pisten bezwingen können. Daniela und ich haben es da mit unseren Straßen-Enduros etwas einfacher. Als wir zurück sind, sind wir alle vier von der Strecke begeistert, was beweist, daß es nicht auf den Zustand der Straßen ankommt, sondern auf die Einstellung des Fahrers!
Der siebte Tag

Am letzten Tag geht es mit fast allen Teilnehmern unter Leitung von Erich in den Süden, nach Bonifacio. Dort erwartet uns nach einer entfernungsbedingt durchgängig "roten" Fahrt eine wunderschöne Hafenstadt mit einem für meine Begriffe wirklich besonderen Flair. Die Tourguides haben eine Schiffahrt organisiert und wir sind sehr froh, daß wir unsere langsam doch sehr geruchsintensiven Motorradklamotten bei dem sehr freundlichen Bootsvermieter unterbringen können. In solchen Situationen können übrigens sehr leicht neue Modetrends entstehen, wie uns Daniela mit ihrer Kobination aus Minirock und Motorradstiefeln sehr eindrucksvoll beweist...

Die Schiffahrt ist - wie in Frankreich üblich – äußerst informativ, da auch in Korsika sämtliche Erläuterungen vom Französischen minutiös ins Französische übersetzt werden, aber so sind sie eben, die Fanzosen "Honi soit qui mal y pense"...(übrigens ein alter korsischer Separatisten-Spruch)

Nach der Schiffahrt gehe ich mit unserem "Senior" Gerd (ich wünschte manch einer mit dreißig Jahren weniger auf dem Buckel wäre so fit und weltoffen wie unser Gerd) zusammen essen. Nachdem wir uns an der nicht nur freundlichen, sondern auch sehr nett aussehenden Bedienung erfreut haben, zieht es mich dann doch trotz des Zeitdrucks (wegen des Abfahrttermins) noch in die hoch oben auf dem Küstenfelsen gelegene Altstadt von Bonifacio. Ich erinnere mich meiner "Ziegen"-Qualitäten und erreiche zwar schwitzend, aber immer noch munter diese wirklich interessante Mischung aus engen Altstadtgassen und eindrucksvollen Aussichtspunkten auf dieses Mittelmeer, das wir doch alle lieben !?

Wie sich übrigens herausstellt, gab es auf dem Weg zur Altstadt witzige Begegnungen der dritten Fortbewegungsart... Denn es passiert ja nicht alle Tage, daß redlich zu Fuß den Berg bezwingende Biker von einer ihrer Kolleginnen in einer Touristen-Bimmelbahn winkend überholt werden... (Grüße an Ellie...)

Auf unserer Rückfahrt zum "Hauptquartier" zeigt sich dann, daß die Regeln für Gruppenfahren nicht so verstanden werden müssen und sollten, daß man das Gehirn abschaltet. Erich jedenfalls ist weniger sauer darüber, daß ihm mitten in einem der zahllosen Kreisverkehre die Maschine ausgeht, als vielmehr darüber, daß außer mir, Christian und Christiane sich keiner traut, am Tourguide vorbeizufahren. Die Korsen, die hinter dieser illustren, im Kreisverkehr "parkenden" Horde deutscher Zweirradfahrer in ihrem Verkehrsfluß gebremst werden, nehmen es berechtigterweise nicht mit Humor..

Nach einer danach etwas chaotischen Fortsetzung der Heimfahrt denke ich mir, "Gut, daß keinem was passiert ist, das ist ja die Hauptsache" und mache noch einen Schlenker an den ‚heimischen‘ Badestrand. Schließlich wird es für mich in diesem Jahr das letzte Mal sein, daß ich im Meer schwimme!

Am letzten Abend finden sich noch einmal alle zusammen bei unserem standfesten Gastwirt Jean-Tomas, von dem man wirklich sagen kann, daß man bei ihm nie das Gefühl haben mußte, daß er seinem Feierabend entgegenfiebert. Es wird also wieder sehr spät, aber ich lebe ja schließlich nach dem Prinzip: "Wer zuletzt ankommt, sollte auch als letzter gehen ...." (Wenn Jörg nicht gewesen wäre, hätte ich das auch geschafft!)
Der letzte Tag

Am nächsten Morgen bedaure ich schon, daß ich keinen Urlaub mehr habe und zu der Gruppe gehöre, die von La Spezia aus in Richtung Heimat fahren wird. Gerne würde ich mit den anderen noch weiter in die Toskana fahren.. Als wir nach einer gemütlichen Fährfahrt in La Spezia ankommen, sind aber die wichtigsten Telefonnummern bereits ausgetauscht. Genau in dem Moment, wo wir Festland befahren, beginnt es zu regnen, was meiner Stimmung entspricht...

Wir verabschieden uns von den Glücklichen, die weiter in Richtung Süden fahren dürfen und fahren zu der von Uwe organisierten Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe von La Spezia. Nachdem wir im Hotel angekommen sind, erfrischen wir uns noch an ein paar kühlen Getränken und beenden unsere Reise damit, womit wir auch angefangen haben: mit einem gemütlichen Abend in einer Pizzeria.
Die Heimfahrt

Am nächsten Morgen bestätigt sich wieder, daß die Mittelmeer-Anrainer das Frühstück nicht erfunden haben und nach ein paar trockenen Scheiben Weißbrot mit "Plastik"-Marmelade (Ihr kennt sie ja, diese umweltfeindlichen, einzeln verschweißten Hotelportiönchen) verabschieden wir uns und treten getrennt unseren Heimweg an.

Auf der Rückfahrt ist mir der Wettergott wohlgesonnen, ich lasse es gemütlich angehen und staune nicht schlecht, als ich in der Schweiz beim Tanken Gerd wiedertreffe, der über Genua gefahren ist. Wir essen zusammen, fahren noch ein Stück gemeinsam und trennen uns am Gotthard. Gerd will über den Paß fahren, doch dafür habe ich keine Zeit, denn im Gegensatz zu ihm muß ich morgen wieder arbeiten.

Ich staune nicht schlecht, als ich ihn beim nächsten Tanken wieder treffe, offensichtlich ist man mit dem Motorrad über den Paß nicht viel langsamer als durch den Tunnel. Also ein guter Rat: Erspart Euch diese stinkende und viel zu warme, unangenehme Durchfahrt durch den 17km langen Gotthard-Tunnel, für die paar Minuten Zeitgewinn lohnt es nicht!

Ungefähr um die gleiche Zeit, als ich seinerzeit in La Spezia angekommen bin, nämlich zwischen 23 und 24 Uhr, erreiche ich meinen Heimatort und falle hundemüde in mein Bett. Tja, das war´s dann...
Mein Fazit

Alles in allem war es eine wünderschöne Woche in Korsika und ich möchte sie in meinem Leben nicht missen. Mit ein bißchen Toleranz, Selbständigkeit und der Bereitschaft, sich in eine Gruppe zu integrieren, ohne sich dabei einem Gruppenzwang verpflichtet zu fühlen, kann eine solche Tour für jeden motorradfahrenden Individualisten eine wunderbare Sache sein!

Allen kann man es nie recht machen, aber mir hat es gut gefallen und ich war sicher nicht das letzte Mal dabei...

Lieber Georg,
vielen Dank für diesen Erlebnisbericht.
Wir würden uns freuen,
Dich bald wieder bei einer Tour dabei zu haben.

Das Seylerhof-Team

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Das SEYLERHOF-TEAM organisiert Motorradtouren in Luxemburg und ganz Europa, sowohl für Tourenfahrer als auch für Enduristen. Alle Termine im Überblick


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